Der Heilige Vater Johannes Paul II. im Sanktuarium
Das Kloster auf der Anhöhe in £agiewniki in Krakau ist dem jetzigen Papst gut bekannt. Schon während der deutschen Besatzung ging er auf dem Weg zur Arbeit in der Fabrik Solvay täglich dort vorbei. Wann er dort zum erstenmal war, ist schwer zu sagen. Die Annalen des Ordens berichten erst die Ereignisse, an denen er als junger Priester teilnahm, später als Hirte der Krakauer Diözese, der sich für das apostolische Werk der Kongregation und für die sich rasch entwickelnde Andacht zur Barmherzigkeit Gottes interessierte, wie sie von S. Faustyna vermittelt worden war.
Am 7. Juni 1997 kam er dorthin - wie er selbst gestand - aus einem Bedürfnis seines Herzens, um vor dem berühmten Gnadenbild des Barmherzigen Jesus und bei den Reliquien der sel. S. Faustyna der Barmherzigkeit Gottes das Schicksal der Menschheit und der Kirche sowie sein eigenes Pontifikat anzuvertrauen.
Die Ansprache des Heiligen Vaters Johannes Paul II. im Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes in Krakau-£agiewniki |
1. Misericordias Domini in aeternum cantabo (Ps. 89 [88], 2).
Und so komme ich als Pilger zu diesem Sanktuarium, um mich dem ewigdauernden Gesang zu Ehren der Barmherzigkeit Gottes anzuschließen. Der Psalmist des Herrn stimmte ihn an und drückte das aus, was alle Generationen bewahrten und als wertvollste Frucht des Glaubens bewahren werden. Nichts braucht der Mensch so notwendig wie die Barmherzigkeit Gottes - jene gnadenreiche und mitfühlende Liebe, die den Menschen über seine Schwächen hinaus zu den unendlichen Höhen der Heiligkeit Gottes trägt. An diesem Ort wird uns das in besonderer Weise bewußt. Von hier nämlich ging die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes aus, die Christus selbst durch die Vermittlung der seligen Schwester Faustyna unserer Generation übermitteln wollte. Und es ist eine klare und für jeden verständliche Botschaft. Jeder kann hierherkommen, um das Bild des barmherzigen Christus zu betrachten, Sein Herz, das Gnaden ausstrahlt, und in der Tiefe seiner Seele das hören, was die selige Schwester gehört hat: Fürchte nichts, Ich bin immer mit dir (TB 613). Und wer ehrlichen Herzens sagt: "Jesus, ich vertraue auf Dich!", der wird Linderung für seine Bekümmernisse und Ängste finden. In diesem Dialog des Vertrauens wird zwischen dem Menschen und Christus ein besonderes Band erlösender Liebe geknüpft. Und Furcht ist nicht in der Liebe - schreibt der hl. Johannes - sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht hinaus. Die Furcht ist ja auf Bestrafung gerichtet (1 Joh 4, 18).
2. Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden (Mt 5, 7).
Liebe Schwestern! Euch ist eine besondere Berufung zuteil geworden. Indem Christus aus eurer Mitte die selige Schwester Faustyna wählte, machte Er eure Kongregation zum Wächter dieses Ortes und rief gleichzeitig zu einem besonderen Apostolat Seiner Barmherzigkeit auf. Ich bitte euch, dieses Werk aufzunehmen. Der Mensch von heute braucht eure Verkündigung der Barmherzigkeit; er braucht eure Werke der Barmherzigkeit und er braucht euer Gebet um Barmherzigkeit. Vernachlässigt keine Dimension dieses Apostolats. Handelt so im Einvernehmen mit dem Krakauer Erzbischof, dem die Verehrung der Barmherzigkeit Gottes so sehr am Herzen liegt, und im Einvernehmen mit der Gemeinschaft der Kirche, die er führt. Möge dieses gemeinsame Werk Früchte tragen. Möge die Barmherzigkeit Gottes alle menschlichen Herzen verwandeln. Möge dieses Sanktuarium, das bereits in vielen Teilen der Welt bekannt ist, zu einem Zentrum der Verehrung der Barmherzigkeit Gottes werden, das auf die ganze Kirche ausstrahlt.
Noch einmal bitte ich euch, für die Kirche zu beten und mich im Amte Petri zu unterstützen. Ich weiß, daß dieses Gebet hier unablässig gesprochen wird - dafür danke ich von ganzem Herzen. Wir alle brauchen es sehr: tertio millennio adveniente.
Ich segne alle, die hier anwesend sind, und alle Verehrer der Barmherzigkeit Gottes von Herzen.